Studiensteckbrief Valkenburg et al. (2021)

Valkenburg, P. M., Beyens, I., Pouwels, J. L., van Driel, I. I., & Keijsers, L. (2021). Social media use and adolescents’ self-esteem: Heading for a person-specific media effects paradigm. Journal of Communication, 71(1), 56–78 https://doi.org/10.1093/joc/jqaa039

Abstract der Autor:innen

Eighteen earlier studies have investigated the associations between social media use (SMU) and adolescents’ self-esteem, finding weak effects and inconsistent results. A viable hypothesis for these mixed findings is that the effect of SMU differs from adolescent to adolescent. To test this hypothesis, we conducted a preregistered three-week experience sampling study among 387 adolescents (13–15 years, 54 % girls). Each adolescent reported on his/her SMU and self-esteem six times per day (126 assessments per participant; 34,930 in total). Using a person-specific, N = 1 method of analysis (Dynamic Structural Equation Modeling), we found that the majority of adolescents (88 %) experienced no or very small effects of SMU on self-esteem (.10 < b < .10), whereas 4% experienced positive (.10 ≤ b ≤ .17) and 8 % negative effects (.21 ≥ b ≥.10). Our results suggest that person-specific effects can no longer be ignored in future media effects theories and research.

Open Science

Präregistrierung: https://osf.io/peqa4

Open Data/Materials: https://osf.io/nh6ab

Forschungsfragen und Hypothesen

Within-Person-Level:

  • H1: Das Selbstwertgefühl von Jugendlichen wird durch die Zeit, die sie in der letzten Stunde mit sozialen Medien verbracht haben, gesteigert.

  • H2: Die Auswirkung der mit sozialen Medien verbrachten Zeit auf das Selbstwertgefühl unterscheidet sich zwischen den Jugendlichen.

Between-Person-Level:

  • RQ1: Haben Jugendliche, die mehr Zeit mit sozialen Medien verbringen, ein geringeres oder höheres Selbstwertgefühl als Jugendliche, die weniger Zeit mit sozialen Medien verbringen?

Studiendesign und Feldzeit

  • ESM-Studie – z. T. echtes, z. T. quasi ESM (siehe „Protokoll“) – mit sechs Protokollen pro Tag, die zufällig, aber innerhalb von Zeitfenstern, die nicht mit den Unterrichts‑ und Schlafenszeiten kollidieren, ausgelöst wurden.

  • Feldzeit: 21 Tage

Technische Aspekte

Die Studie wurde mit der App Ethica Data (heute: Avicenna) durchgeführt, die die Teilnehmer:innen auf ihren eigenen Smartphones installierten.

Teilnehmer:innen

  • Zielgruppe: Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren (54 % weiblich; MAlter = 14,11, SD = 0,69)

  • Erhebungsland: Niederlande

  • Rekrutierung: über Schulen

  • Strategie der Stichprobenziehung: Das Sample war bezüglich Bildung und Herkunft repräsentativ für eine Region in den Niederlanden.

Fallzahlen

  • Begründung der Stichprobengröße: Erfolgte über die nötige Anzahl an Messzeitpunkten für das gewählte Auswertungsverfahren sowie eine A-priori-Poweranalyse

  • Personenstichprobe: 387 (nach Bereinigung)

  • Situationsstichprobe: Von den 48.762 Alarmierungen (387 Teilnehmer:innen, je 126 Alarmierungen) wurden aufgrund technischer Fehler nur 47.900 zugestellt, von denen wiederum 34.930 beantwortet wurden (Compliance 73 %, durchschnittliche Anzahl an Protokollen pro Teilnehmer:in: 90,26, SD = 23,84).

Protokoll

  • Ausfülldauer: 2 min

  • Anzahl Fragen/Items: 23 (erstes und letztes Protokoll pro Tage eine Frage mehr)

  • Zentrale Variable(n):

    • Social Media-Nutzung (abgefragt für die vergangene Stunde ➙ Quasi-ESM)

    • Selbstwertgefühl (abgefragt für den jetzigen Zeitpunkt ➙ echtes ESM)

Briefing und Motivation der Teilnehmer:innen

  • Briefing: Die Teilnehmer:innen wurden in den Schulen von den Forschenden geschult.

  • Betreuung während der Feldzeit: Die Teilnehmer:innen wurden regelmäßig von den Forschenden kontaktiert, um Hilfe bei technischen Problemen anzubieten und generell die Motivation hochzuhalten.

  • Incentivierung: Die Teilnehmer:innen erhielten für das Ausfüllen der Basiserhebung ein kleines Gadget und zusätzlich 0,30 Euro für jedes ausgefüllte Protokoll. Außerdem nahmen Teilnehmer:innen, die alle sechs Protokolle ausgefüllt hatten, an einer täglichen Lotterie teil, bei der 4x25 Euro verlost wurden. Die Teilnehmer:innen konnten über ein persönliches Dashboard jederzeit Informationen zur Studie, über ihr Ausfüllverhalten und ihre Einnahmen einsehen.

Datenaufbereitung

  • Aufsummieren der Nutzungsdauer in der vergangenen Stunde für jede der abgefragten Social-Media-Plattformen aus den Einzelwerten für die Nutzung der verschiedenen Features

  • Aufsummieren der Gesamtnutzungsdauer sozialer Medien in der vergangenen Stunde aus den einzelnen Nutzungsdauern

Auswertung

  • Deskriptive Analysen und Korrelationen

  • Dynamic Structural Equation Modeling

Ergebnisse

❌ H1: Das Selbstwertgefühl von Jugendlichen wird durch die Zeit, die sie in der letzten Stunde mit sozialen Medien verbracht haben, nicht beeinflusst.

✅ H2: Die Auswirkung der mit sozialen Medien verbrachten Zeit auf das Selbstwertgefühl unterscheidet sich zwischen den Jugendlichen: Bei der Mehrheit (88 %) zeigten sich keine oder nur sehr geringe Zusammenhänge; bei 4 % positive und bei 8 % negative Auswirkungen der Nutzungszeit auf das Selbstwertgefühl.

  • RQ1: Jugendliche, die in den drei Wochen mehr Zeit mit sozialen Medien verbrachten, hatten im Vergleich zu Jugendlichen, die in diesem Zeitraum weniger Zeit mit sozialen Medien verbrachten, ein geringeres durchschnittliches Selbstwertgefühl.

Besonderheiten

  • Der Beitrag präsentiert Teilergebnisse einer größeren Studie (Project AWeSome) mit mehreren Forschungszielen.