Studiensteckbrief Siebers et al. (2024)

Siebers, T., Beyens, I., & Valkenburg, P.M. (2024). The effects of fragmented and sticky smartphone use on distraction and task delay. Mobile Media & Communication, 12(1), 45 70. https://doi.org/10.1177/20501579231193941

Abstract der Autor:innen

The smartphone has become an integral part of adolescents’ daily life. Despite the countless affordances of smartphones, concerns have been raised about their enormous potential to cause failures in self-regulation, such as distraction and task delay. The current study investigated whether two smartphone usage patterns, fragmented and sticky smartphone use, are associated with distraction and task delay. For three weeks, we logged the smartphone usage of 160 adolescents (733,359 observations) and assessed their distraction and task delay six times a day with experience sampling (12,723 observations). Using Dynamic Structural Equation Modeling, we found that, overall, adolescents felt more distracted when their smartphone use was more fragmented or sticky. Exploratory analyses indicated that 77 % of adolescents experienced increased distraction (i. e., β > .05) when their smartphone use was more fragmented, and 55 % when it was sticky. Overall, adolescents did not report more task delay as their smartphone use was more fragmented or sticky. Nonetheless, 22 % experienced increased task delay when their smartphone use was more fragmented, and 42 % when it was sticky. Together, our findings underline the dynamic nature of smartphone use and its differential impact on self-regulation outcomes.

Open Science

Präregistrierung: https://osf.io/sgmj7 (aktuelle Studie) und https://osf.io/327cx (Design und Samplingplan)

Open Data/Materials: https://osf.io/tbk6u (Codebuch), https://osf.io/qezw3/ (Auswertungscode) und https://doi.org/10.21942/uva.14199134.v1 (Daten)

Forschungsfragen und Hypothesen

Within-Person-Level:

  • H1a: Eine fragmentierte Smartphonenutzung ist positiv mit Ablenkung assoziiert, d. h., Jugendliche sind in Momenten, in denen sie ihr Smartphone fragmentierter nutzen, stärker abgelenkt.

  • H1b: Die ständige Smartphonenutzung ist positiv mit Ablenkung assoziiert, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone ständig nutzen (Sticky Use), stärker abgelenkt sind.

  • H1c: Der Zusammenhang zwischen fragmentierter Smartphonenutzung und Ablenkung ist stärker als der Zusammenhang zwischen sticky Smartphonenutzung und Ablenkung.

  • H2a: Eine fragmentierte Smartphonenutzung ist positiv mit einer Verzögerung von Aufgaben (Task Delay) assoziiert, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone fragmentierter nutzen, mehr Aufgabenverzögerungen erleben.

  • H2b: Die ständige Smartphonenutzung geht mit einer Verzögerung bei der Erledigung von Aufgaben einher, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone ständig nutzen, mehr Aufgaben verzögert erledigen.

  • H2c: Der Zusammenhang zwischen sticky Smartphonenutzung und der Verzögerung von Aufgaben ist stärker als der Zusammenhang zwischen der fragmentierten Nutzung von Smartphones und der Verzögerung von Aufgaben.

Studiendesign und Feldzeit

  • Quasi-ESM-Studie mit sechs Protokollen pro Tag (Zufallszeitpunkte innerhalb festgelegter Zeitintervalle, siehe https://osf.io/b8vsa)

  • Feldzeit: 21 Tage

Technische Aspekte

Die Studie wurde mit den Apps Ethica Data und Ethica App Usage Stream (heute: Avicenna) durchgeführt, die die Teilnehmer:innen auf ihren eigenen Smartphones installierten.

Teilnehmer:innen

  • Zielgruppe: Schüler:innen mit Android-Smartphone (47 % weiblich; MAlter = 14,60, SD = 0,69)

  • Erhebungsland: Niederlande

  • Rekrutierung: über Schulen

  • Strategie der Stichprobenziehung: Das Sample war bezüglich Bildung und Herkunft repräsentativ für eine Region in den Niederlanden.

Fallzahlen

  • Begründung der Stichprobengröße: keine Angaben

  • Personenstichprobe: 160 (nach Bereinigung)

  • Situationsstichprobe: Von den 20.160 Alarmierungen (160 Teilnehmer:innen, je 126 Alarmierungen) wurden 12.723 beantwortet (Compliance 63 %, durchschnittliche Anzahl der Protokolle pro Teilnehmer:in: 79,52, SD = 34,73).

Protokoll

  • Ausfülldauer: 2 min

  • Anzahl Fragen/Items: 19-32 Items, je nach Zeitpunkt

  • Zentrale Variable(n):

    • Ablenkung

    • Aufgabenverzögerung

Briefing und Motivation der Teilnehmer:innen

  • Briefing: Die Teilnehmer:innen wurden in den Schulen von den Forscher:innen geschult.

  • Betreuung während der Feldzeit: keine Angaben

  • Incentivierung: Die Teilnehmer:innen erhielten für das Ausfüllen der Basiserhebung ein kleines Gadget und zusätzlich 0,30 Euro für jedes ausgefüllte Protokoll. Außerdem nahmen Teilnehmer:innen, die alle sechs Protokolle ausgefüllt hatten, an einer täglichen Lotterie teil, bei der 4x25 Euro verlost wurden. Die Teilnehmer:innen konnten über ein persönliches Dashboard jederzeit Informationen zur Studie, über ihr Ausfüllverhalten und ihre Einnahmen einsehen.

Datenaufbereitung

  • Aufbereitung der Beobachtungsdaten gemäß fragmentierter oder ständiger (sticky) Nutzung

  • Anspiel der Beobachtungsdaten an ESM-Daten über Zeitstempel

Auswertung

  • Deskriptive Analysen und Korrelationen

  • Dynamic Structural Equation Modeling

Ergebnisse

✅ H1a: Eine fragmentierte Smartphonenutzung ist positiv mit Ablenkung assoziiert, d. h., Jugendliche sind in Momenten, in denen sie ihr Smartphone fragmentierter nutzen, stärker abgelenkt.

✅ H1b: Die ständige Smartphonenutzung ist positiv mit Ablenkung assoziiert, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone ständig nutzen (sticky use), stärker abgelenkt sind.

✅ H1c: Der Zusammenhang zwischen fragmentierter Smartphonenutzung und Ablenkung ist stärker als der Zusammenhang zwischen sticky Smartphonenutzung und Ablenkung.

❌ H2a: Eine fragmentierte Smartphonenutzung ist nicht positiv mit einer Verzögerung von Aufgaben (task delay) assoziiert, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone fragmentierter nutzen, nicht mehr Aufgabenverzögerungen erleben.

❌ H2b: Die ständige Smartphonenutzung geht nicht mit einer Verzögerung bei der Erledigung von Aufgaben einher, d. h., dass Jugendliche in Momenten, in denen sie ihr Smartphone ständig nutzen, nicht mehr Aufgaben verzögert erledigen.

❌ H2c: Der Zusammenhang zwischen sticky Smartphonenutzung und der Verzögerung von Aufgaben ist nicht stärker als der Zusammenhang zwischen der fragmentierten Nutzung von Smartphones und der Verzögerung von Aufgaben.

Besonderheiten

  • Die Studie kombiniert ESM mit Tracking

  • Der Beitrag präsentiert Teilergebnisse einer größeren Studie (Project AWeSome) mit mehreren Forschungszielen